WLAN auf der Terrasse: warum Fenster und Außenwand bremsen
Drinnen volles WLAN, zwei Schritte durch die Terrassentür und das Video stockt. Meist liegt das nicht am Router, sondern an der Gebäudehülle. Moderne Fenster sind für Funk fast so dicht wie für Wärme.
Stand: 7. November 2026
Was Funk unterwegs verliert
WLAN-Signale werden in Dezibel gemessen. Jede Verdopplung der Entfernung kostet in freier Luft rund 6 dB, unabhängig vom Band. Dazu kommen die Hindernisse. Richtwerte aus zwei Herstellerübersichten:
| Hindernis | 2,4 GHz | 5 GHz |
|---|---|---|
| Fenster, Klarglas | 2–4 dB | 0–7 dB |
| Wärmeschutzglas (metallbedampft) | 10–30 dB | 20–40 dB und mehr |
| Holztür | 3–4 dB | 4–6 dB |
| Ziegelwand, ca. 24 cm | 12–15 dB | 20–25 dB |
| Beton, ca. 20 cm | 23–25 dB | 30–55 dB |
| Metalltür | 20–30 dB | 25–35 dB und mehr |
Quelle: Interline, als Orientierung angegeben. Dicke, Feuchte und Bauweise ändern die Werte deutlich.
Zur Einordnung: 10 dB weniger heißt nur noch ein Zehntel der Signalleistung, 20 dB ein Hundertstel. Das Gebäudemodell der Internationalen Fernmeldeunion (ITU-R P.2109) rechnet für ein wärmegedämmtes Haus mit beschichteten Fenstern im Mittel rund 15 dB mehr Verlust an der Hülle als für einen Altbau.
Der Fünf-Minuten-Test
- Handy auf der Terrasse, Router-App oder eine WLAN-Analyse-App öffnen, Pegel ablesen (Wert in dBm).
- Terrassentür öffnen, warten, neu ablesen.
- Springt der Wert um 10 dB oder mehr, ist das Glas das Problem. Ändert sich wenig, liegt es an Entfernung und Innenwänden.
Als Faustregel gilt: Ab −67 dBm laufen Videotelefonie und Streaming, bis −70 dBm reicht es zum Surfen, unter −80 dBm ist die Verbindung unzuverlässig.
Was dann hilft
- Glas ist das Problem: Das Signal muss an einer Stelle ohne beschichtetes Glas nach draußen: durch eine Holz- oder Leichtbauwand, eine offene Tür, oder per LAN-Kabel zu einem Gerät außen an der Hauswand. Ein Mesh-Satellit innen am Fenster bringt hier wenig.
- Entfernung und Innenwände sind das Problem: Ein Mesh-Satellit innen an der Terrassentür, der noch gutes Signal vom Router bekommt, reicht oft.
- Großer Garten oder Gartenhaus: Außen-Access-Point mit Kabel, Funkbrücke oder Powerline. Siehe Internet im Gartenhaus.
Ein Test von ifun mit einem Outdoor-Mesh-Gerät kam zum selben Schluss: Auf freier Fläche reicht das Gerät weit, entscheidend ist die Strecke vom Haus nach draußen. Welche Lösung bei dir passt, rechnet der WLAN-Planer mit deinen Wänden und Entfernungen durch.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich ein Wärmeschutzfenster?
Halt ein Feuerzeug vor die Scheibe: Bei beschichtetem Glas hat eines der Spiegelbilder einen anderen Farbton als die übrigen. Außerdem steht die Beschichtung oft im Glasstempel im Scheibenzwischenraum. Fenster aus den letzten zwei Jahrzehnten sind fast immer beschichtet.
Hilft es, den Router ans Fenster zu stellen?
Etwas, weil eine Innenwand wegfällt. Durch ein Wärmeschutzglas kommt das Signal aber trotzdem nur stark gedämpft. Wirksamer ist es, das Signal an einer Stelle nach draußen zu bringen, wo kein Glas im Weg ist: offene Tür, Holzrahmen, oder ein Gerät außen, das per Kabel angebunden ist.
Ist 2,4 GHz oder 5 GHz besser für den Garten?
Durch Wände und Glas kommt 2,4 GHz besser durch. Mit freier Sicht von einem Gerät an der Hauswand ist 5 GHz schneller. Viele Geräte nutzen beide Bänder, das Handy wählt selbst.
Quellen
- Interline: Building materials and Wi-Fi signal loss (2,4 und 5 GHz)
- Keenetic: Dämpfung durch Hindernisse
- ITU-R P.2109-1: Gebäudedurchdringungsverlust
- Extreme Networks: How far will Wi-Fi 6E travel in 6 GHz
- Oscium/MetaGeek: WiFi signal strength basics
- ifun: eero Outdoor 7 im Test (17.08.2026)
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